Milchwirtschaftlichen Jahrestagung 2017:

Turbulentes Jahr geht positiv zu Ende

Michael Horper, Vorsitzender der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz e.V. (Milag), begrüßte über 200 Gäste zur diesjährigen Milchwirtschaftlichen Jahrestagung am 25. November 2017 im penta Hotel in Trier – auch im Namen der saarländischen Landesvereinigung für Milch und den Molkereifachleuten. Nachdem das Jahr 2016 geprägt war von miserablen Milchpreisen, sieht es 2017 vorsichtig optimistisch aus. Auch die Futterproduktion ist nicht so schlecht ausgefallen, wie im Sommer erwartet wurde und so kann zumindest die Milchbranche das Jahr positiv abschließen.

Grußworte – Über Herz, Zusammenhalt und Selbstbewusstsein

Die 3. Rheinland-Pfälzische Milchkönigin Carina blickte mit Wehmut auf ihre dreijährige Amtszeit zurück. Sie gab an diesem Abend ihre Krone an eine Nachfolgerin weiter und ließ bei ihrem letzten offiziellen Auftritt ihre Zeit als Milchkönigin Revue passieren. Dabei betonte sie, wie wichtig ihr die rheinland-pfälzische und saarländische „Milchfamilie“ geworden ist. Verabschiedet wurde sie mit Standing Ovations seitens des Publikums.
Ökonomierat Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, freute sich über Carinas Grußwort, das zeigte, dass es junge Menschen gibt, die mit Wärme, Gefühl und Herz auftreten. Er selbst war Teil der Jury, die an diesem Abend die 4. Rheinland-Pfälzische Milchkönigin wählte.
Klaus Fontaine, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft des Saarlandes e.V. (LVMS), betonte die Wichtigkeit des Zusammenhalts der Branche. Seit 15 Jahren findet nun die Milchwirtschaftliche Jahrestagung gemeinsam statt und in dieser Zeit wurden in Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit wenig Geld viele Verbraucher erreicht. Einen Rückgang zur Quote hält er für nicht sinnvoll. Der Markt ist volatil, jedoch sollte man nicht bei jedem neuen Trend direkt mit ziehen.
Staatssekretär Andy Becht, Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, verglich Wein und Milch miteinander und kam zu dem Ergebnis, dass die Milchwirtschaft das Rückgrat der rheinland-pfälzischen Landwirtschaft darstellt. In vielen Regionen gibt es keine ökonomischen Alternativen und gerade dort zählt jeder Arbeitsplatz. 2014 traf die Milchwirtschaft die 3. Preiskrise innerhalb von 10 Jahren, momentan zeigt sich eine gegenläufige Tendenz. Der erste Schritt zur Gestaltung des Schicksals liegt in den Betrieben, der Staat kann hier nur flankierend helfen, z.B. beim Krisenmanagement, der Ablehnung der Wiedereinführung der Milchquote oder bei der Forcierung günstiger Marktmechanismen. Die Milchwirtschaft leistet viel und sollte deshalb auch selbstbewusster agieren. 

Festvortrag „Trends und Innovationen im Molkereisektor“

Dr. Corina Jantke, Bereichsleiterin Milch- und Molkereiwirtschaft am Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), erläuterte im ersten Teil des Vortrages verschiedene Trends aus Gesellschaft und Politik (z.B. das spezifische Maß, d.h., die „ich-Bewertung“ von Dingen), Ernährung und Konsum (z.B. die Neubewertung des Fettes von der Verteufelung hin zum Genuss), Milchwirtschaft und Agrarkultur (z.B. die Wahrnehmung der Landwirtschaft), Regulierung (z.B. COOL-Kennzeichnung = Country of Origin Labelling) und Digitalisierung (z.B. Datennutzung). Die Definition von Innovation wird dadurch erschwert, dass es unterschiedliche Dimensionen (z.B. Produkt oder Prozess) gibt. Insgesamt lässt sich sagen, dass Innovation alles ist, was neu für das Unternehmen ist. Dabei ist jedoch auch wichtig, dass das Produkt letztendlich auf dem Markt kommt. Die Motive der Molkereien für Innovationen sind der internationale Wettbewerb, Verhandlungspositionen beim Lebensmitteleinzelhandel, Kundenwünsche und Preisschwankungen. Neue Produkte sind während der ersten 1-3 Jahre als Spezialität einzustufen und in dieser Zeit stabil im Preis. Besonders hohe Patenanmeldungen gibt es im Molkereisektor seit Mitte der ‘90iger Jahre, insbesondere bei Milchpulver und Käse. Insgesamt sind „Innovationen ein Mittel für die Molkereien, die Chancen wahrzunehmen und den Herausforderungen zu begegnen.“

Ehrungen – Erzeugerpreise für hervorragende Milchqualität

Michael Horper (Milag) und Klaus Fontaine (LVMS) freuten sich, dass auch in diesem Jahr unzählige Milchbauern aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland exzellente Rohmilch an die Molkereien lieferten. Horper stellte heraus, dass die Ehrungen der Landwirte den Höhepunkt der Veranstaltung darstellen. Insgesamt 10 Landwirte aus dem rheinland-pfälzischen Einzugsgebiet der Arla Foods Deutschland GmbH und 10 Landwirte aus dem rheinland-pfälzischen und saarländischen Einzugsgebiet der Hochwald Foods GmbH erhielten Preise für hervorragende Milchqualität. Geehrt wurden folgende Betriebe:

Für Arla Foods Deutschland GmbH:

Hermann-Josef Wirtz aus Olzheim (Kreis Bitburg-Prüm)

Rainer Wonner aus Arzfeld (Kreis Bitburg-Prüm)

Richard Meutes aus Rommersheim (Kreis Bitburg-Prüm)

Theo Feinen aus Fleringen (Kreis Bitburg-Prüm)

Gerd Sohns aus Weinsheim (Kreis Bitburg-Prüm)

Josef Heinen aus Hersdorf (Kreis Bitburg-Prüm)

Matthias Spartz aus Olsdorf (Kreis Bitbrug-Prüm)

Ursula und Günter Eich aus Jünkerath-Glaadt (Kreis Daun)

Wolfgang Hankes aus Kruchten (Kreis Bitburg-Prüm)

Werner Dimmer aus Niederweiler (Kreis Bitburg-Prüm)Geehrte Arla-Landwirte (Foto Schulte)

Für Hochwald Foods GmbH:

Helmut Beutler jun. aus Birkenfeld (Kreis Birkenfeld)

Peter Hanks aus Wettlingen (Kreis Bitburg-Prüm)

Christoph Wolf aus Kleinsteinhausen (Kreis Südwestpfalz)

Johannes Bustert aus Zerf (Kreis Trier-Saarburg)

Leo und René Blum GbR aus Niederbettingen (Kreis Vulkaneifel)

Hermann Josef Mindermann GbR aus Nohn (Kreis Vulkaneifel)

Manfred Jegen aus Steinborn (Kreis Bitburg-Prüm)

Emanuel und Leopold Munsch GbR aus Bilkheim (Westerwaldkreis)

Johannes Schelder aus Lebach-Gesaubach (Kreis Saarlouis)

Schifferer und Stephan GbR aus Blieskastel-Altheim (Saarpfalz-Kreis)Geehrte Hochwald-Landwirte (Foto Schulte)

Michael Horper, Klaus Fontaine und Andy Becht (MWVLW) überreichten gemeinsam mit der 3. Rheinland-Pfälzischen Milchkönigin Carina Hirschen Ehrenbriefe und Essensgutscheine sowie Plaketten für die Stalltür, die auch Verbrauchern anzeigen, dass an dieser Stelle Qualitätsmilch produziert wird. Die ersten Gratulanten kamen aus der Reihe der Molkereien. Stellvertretend für Arla gratulierten Stefan Fiedler und Ignaz Hontheim sowie für Hochwald Helmut Stuck.

Weitere Auszeichnungen für Molkereifachleute und Molkereien

Molkereifachleute aus allen Bereichen der Produktion (Annahme, Herstellung von Milchprodukten, Be- und Verarbeitung, Abfüllung, Verpackung, Maschinenführer bzw. -bediener, Labor, Qualitätsmanagement, Planung) sorgen dafür, dass aus der Rohmilch hochwertige Milchprodukte entstehen. Deshalb erhielten 19 Mitarbeiter*innen der Molkereien Arla und Hochwald Auszeichnungen für die Herstellung von Qualitätserzeugnissen. Auf Grundlage der Arbeit aller an der Milchproduktion beteiligten Personen erhielten Arla Foods Deutschland GmbH und Hochwald Foods GmbH erneut von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz Kammerpreismünzen in Gold für sehr gute Leistungen bei der Sicherung der Qualität der Anlieferungsmilch. Überreicht wurde diese Auszeichnung von Ökonomierat Norbert Schindler (Präsident der Landwirtschaftskammer) an die Vertreter der Molkereien Manfred Graff und Ignaz Hontheim (Arla) sowie Peter Manderfeld und Toni Streit (Hochwald).
Außerdem wurden insgesamt 63 Produkte bei den überregional stattfindenden DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft)-Qualitätswettbewerben getestet und ausgezeichnet. Es erhielten 97% einen Goldenen und 3% einen Silbernen Preis. Rheinland-Pfalz lag damit erneut an 1. Stelle bei den Goldenen Preisen unter den Flächenländern im Bundesgebiet. Die Auszeichnungen überreichte Dr. Norbert Wirtz (DLG-Landesbevollmächtigter) an die Werksleiter Jürgen Wolf (Arla, Pronsfeld), Hermann Schares (Hochwald, Thalfang) und Markus Kerpen (Hochwald, Kaiserslautern).

 

© Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz e.V.
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