Energie für den Schultag
Das Schulmilchprojekt in Rheinland-Pfalz

Um das Ernährungsverhalten unserer Kinder nachhaltig zu verbessern, ist es notwendig, in Schulen zu unterrichten. Studien zeigen, dass auf diese Weise das Ernährungsverhalten der Heranwachsenden nachhaltiger verbessert werden kann, als beim Familienansatz. Die Schüler nehmen Dinge, die sie in der Schule lernen, leichter an und geben dies auch an ihre Familien weiter. So erreicht man viele Menschen mit geringen Mitteln. Dieses Prinzip macht sich auch das Projekt „Milch an Schulen“ in Rheinland-Pfalz zu nutze.

Das Projekt wurde im Jahr 2004 mit folgenden Zielen ins Leben gerufen:

  • Information der positiven Eigenschaften von Milch und Milchprodukten
  • Etablierung von Milch an Schulen
  • Erhöhung des Milchkonsums bei 4-18-Jährigen
  • Verbesserung der  Pausenverpflegung bzw. Festigung bestehender Strukturen.

Erreicht werden diese Ziele mit Hilfe von Botschafterinnen, die im Namen der Milchwirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz e.V. (kurz Milag) Schulen besuchen. Die Botschafterinnen setzen sich aus Frauen zusammen, die selbst Milchvieh halten, eine hauswirtschaftliche Ausbildung haben oder Diätassistentinnen bzw. Ernährungswissenschaftlern sind. Zweimal jährlich werden sie auf ernährungswissenschaftlicher und pädagogischer Ebene geschult.

Aufgebaut ist die ein- bis zweistündige Unterrichtseinheit aus einem theoretischen sowie einem praktischen Teil. Der Theorieteil wird dem Alter der Kinder angepasst. Er beinhaltet Informationen zum Leben der Kuh, dem Weg der Milch, der Weiterverarbeitung des Rohproduktes, den Inhaltsstoffen und deren Wirkung auf den menschlichen Körper, sowie Auskünfte zu Milchprodukten und deren Herstellung. Die Kinder haben durch das Erzählen eigener Erfahrungen und durch das Erarbeiten in Gruppenarbeit die Möglichkeit, sich aktiv an der Unterrichtsgestaltung zu beteiligen. Folgende Fragestellungen werden in diesem Teil beantwortet:

  • Wann gibt eine Kuh Milch?
    Selbst einigen Lehrern ist unklar, dass eine Kuh erst kalben muss (Erstkalbealter ab 24 Monaten), um überhaupt Milch zu geben.
  • Wieviel Milch kann die Kuh geben und was muss sie dazu selbst essen?
    Für eine gute Milchleistung bis zu 40 l/Tag (durchschnittlich 19 l) muss sich auch die Kuh gesund und ausgewogen ernähren. Nur mit den richtigen Nährstoffen aus 50 kg Gras im Sommer bzw. 30 kg Silage im Winter, Kraft- und Mineralfutter sowie 80-120 l Wasser pro Tag produziert das Euter Milch.
  • Was passiert in der Molkerei?
    Mit Hilfe der Milchverpackungen wird der Einfluss von unterschiedlichen Erhitzungsverfahren auf die Haltbarkeit aufgezeigt. Homogenisieren erklärt sich wie von selbst mit Hilfe eines Glases (gefüllt zur Hälfte mit Wasser und einer aufliegenden Ölschicht), das man zur Veranschaulichung schütteln kann. Besser ist noch der Einsatz einer Sprühflasche.

Weshalb soll ich überhaupt Milch trinken? Immerhin gibt es auch Milchschnitte und Nutella. Mit Hilfe von Zuckerwürfeln stellt man dar, dass dies Süßigkeiten sind, die auch als solche gegessen werden sollten. Ein Milchersatz sind sie nicht. Welche Inhaltsstoffe die Milch hat und wie sie auf den menschlichen Körper wirken, wird hier erläutert.

Nach dem Theorieteil folgt die Praxis. Sehr beliebt bei den Kleineren ist das Butter schütteln: In ein kleines Glas mit Drehverschluss gibt man etwas Sahne, verschließt es gut und lässt die Kinder immer Pärchenweise das Glas so lange schütteln, bis sich ein Butterklumpen bildet und die Buttermilch abgetrennt ist. Bei älteren Schülern bieten sich chemische Versuche zu den Milchinhaltsstoffen an.

Gemessen an der Aufmerksamkeitsspanne und den zu vermittelnden Inhalten, sind für Kindergärten und Grundschulen 1 Schulstunde eingerechnet, für weiterführende Schulen und Berufsschulen 2 Unterrichtsstunden.

Dem Unterricht schließt sich ein gesundes Pausenfrühstück an. Die Botschafterinnen kaufen hierfür ein und bringen die Lebensmittel mit in die Schule. Eltern oder Lehrer bereiten auf freiwilliger Basis das Frühstück vor. Mit einem Budget von 1 Euro/Kind werden belegte Brote (fettarme Wurst, Käse und Frischkäse), Gemüsesticks mit Quarkdip, ein Stück Obst und selbstverständlich Milch angeboten. Alternativ zu Gemüse und Dip kann es auch Müsli mit Obst geben.

Im Rahmen dieses Projektes ist es auch möglich Bauernhöfe zu besichtigen. Dabei wird über die Milag die Bezahlung des Betriebes übernommen. Die Botschafterinnen können Kontakte herstellen; die Organisation inklusive der Bezahlung des Transportes, etc., muss über die Schule erfolgen. Ein Wandertag bietet sich dafür hervorragend an.
Zielgruppen sind neben Schülern und Lehrern auch Eltern und Menschen, die für die Pausenverpflegung zuständig sind (z.B. Kioskbesitzer, Hausmeister, Kantinenmitarbeiter).
 

Entwicklung des Projektes

Von Februar bis Dezember 2012 wurden 180 rheinland-pfälzische Schulen besucht und 12.791 Schüler erreicht. 50 Klassen mit insgesamt 1.225 Schülern besuchten außerdem Milchviehbetriebe und lernten hautnah alles über die Milchproduktion. Außerdem fanden im Jahr 2012 vier Elternabende mit 231 Eltern zum Thema Milch statt.

Bei der Evaluation wurden sowohl das gesunde Pausenfrühstück als auch die Unterrichtseinheiten meistens mit gut oder sehr gut bewertet. Weiterer Schulungsbedarf wird in der Vermittlung von Wissen über die einzelnen Lebensmittelgruppen (z.B. Brot/Kohlenhydrate), Tischmanieren und Essverhalten gesehen. Daran kann man gut erkennen, dass ein großes Informationsdefizit in allen Bereichen der gesunden Ernährung besteht, welches durch den regulären Unterricht nicht abgedeckt werden kann. Das ist über das Projekt „Milch an Schulen“ auch nicht möglich.

Finanziert wurde das Projekt, inklusive dem Jahr 2008, zu 60% von der Centralen Marketing Gesellschaft der Agrarwirtschaft mbH (CMA) und zu 40% vom Land Rheinland-Pfalz. Als im Jahr 2009 via Gerichtsbeschluss die CMA in Liquidation ging, übernahm das Land für dieses Jahr die vollen Kosten. In den folgenden Jahren fand eine Teilung der Kosten zwischen Milag und Land statt.

Probleme des Projekts ergeben sich aus dem großen Nord-Süd-Gefälle in Rheinland-Pfalz. Im nördlichen Teil herrscht der landwirtschaftliche Zweig der Milchwirtschaft vor. Dort wird auch mehr Milch getrunken, die Schüler sind insgesamt besser informiert und auch die Botschafterinnen sind häufiger im Einsatz. Im Süden gibt es weniger Milchviehbetriebe. Lange Zeit gab es keine Bewerberin, die sich bereit erklärte, als Botschafterin zwischen Mainz und Ludwigshafen zu arbeiten. Während die Schulen im Norden schon jedes Jahr zu Beginn des Projekts Schlange stehen, sind die Schulen im südlichen Teil von Rheinland-Pfalz eher kritisch. Jedoch gerade dort ist es von immenser Bedeutung den Schülern die Milch näher zu bringen.

Im Süden würden mehr Schulen gerne Milchviehbetriebe besuchen, allerdings wäre die Fahrt zu weit, denn im Bereich Worms, Mainz und Ludwigshafen befinden sich keine geeigneten Betriebe.

Eine weitere Schwierigkeit stellen die besonderen Ernährungsansprüche der multikulturellen Klassen dar. Aus religiösen Gründen kann z.B. häufig kein Schinken gegessen werden. Laktoseintolerante Schüler werden mit laktosefreier Milch versorgt bzw. durch das Angebot von Wurstbroten.

Bitte beachten sie auch unseren Flyer als Download. Wenn wir Ihr Interesse am Schulmilchprojekt geweckt haben, wenden Sie sich bitte an uns- wir vermitteln Sie gerne an die zuständige Botschafterin weiter!

 Flyer Schulmilch


Veranstaltungstermine

  • 19.08.2017 - 15.00 Uhr

    Auftritt der Milchkönigin
    54516 Wittlich
    Säubrenner-Kirmes

  • 23.08.2017 - 19.00 Uhr

    Informationsveranstaltung
    54550 Daun-Rengen, Dorfgemeinschaftshaus
    Referentin: Marion Erlemeier

  • weitere Veranstaltungen »
  • © Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz e.V.
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    Tel. 0671 - 88 60 250 • Fax 0671 - 88 60 255 • E-Mail: info@milag.net