Wertschätzung, faire Preise und Anerkennung der Leistungen

– Wünsche für eine nachhaltige Zukunft der Milchwirtschaft

Die Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft (Milag) hat zum Internationalen Tag der Milch 2020 rheinland-pfälzische Michbäuerinnen und Milchbauern gefragt, was sie sich von den Verbrauchern wünschen, um auch in Zukunft weiter mit Elan ihrer Arbeit nachgehen zu können. Natürlich kamen dabei auch Sorgen und Nöte zur Sprache. Milag-Vorsitzender Michael Horper brachte als erstes vieles auf den Punkt, was auch seine Berufskolleginnen und –kolleginnen beschäftigt: „Wertschätzung, Preise, Klimaveränderung – damit haben wir alle zu kämpfen. Trotz aller Hürden bin ich froh und stolz, dass unser Berufsstand es geschafft hat, die Lebensmittelversorgung auch während der Pandemie aufrecht zu erhalten. Auf uns Landwirte kann man sich verlassen!“
So unterschiedlich die Teilnehmenden auch waren (aus Nord und Süd, Jung und Alt, Männer, Frauen, Paare, Familien) so einig waren sie sich in den Wünschen. Wertschätzung steht schon lange an der Spitze dessen, was sich Landwirte jeglicher Ausrichtung von der Gesellschaft erhoffen. Die Milchviehbetriebe sind da keine Ausnahme. Wenn sich die Wertschätzung in einem fairen Preis widerspiegeln würde, von dem eine Familie ohne Zukunftsängste leben kann, wäre dies eine große Erleichterung. Hinter dem Begriff „Wertschätzung“ stehen aber auch immaterielle Dinge, wie Verständnis (z.B. ungewöhnliche Arbeitszeiten), Anerkennung und Respekt (z.B. die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung in Deutschland), aber auch Akzeptanz (z.B. Gerüche und Geräusche). Vielen ist positiv aufgefallen, dass das Bewusstsein der Bevölkerung für den Wert der Lebensmittel gestiegen ist, nun fehlt noch das Wissen, was nötig ist, um sie zu produzieren. Der Arbeitseinsatz steht meist nicht in Relation zum Gewinn. „Landwirt sein“ ist kein Beruf, sondern eine Berufung, eine Lebenseinstellung. Es gibt keine geregelten Arbeitszeiten, keine feste Freizeit. Man ist immer im Dienst, so lange Arbeit da ist.
Die Arbeit macht Spaß, aber die Zukunftsängste begleiten den Alltag: Wie wirken sich EU-Politik, Maßnahmen im Klima-, Umwelt- und Tierschutz, Globalisierung oder Regionalität und Ernährungstrends auf die Arbeit und auf die Preise aus? Finden sich Hofnachfolger bei hohen Auflagen und immer stärker werdender Bürokratie? Welchen Einfluss hat der Klimawandel mit Dürren, Tornados oder Starkregen? Und hat sich das Konzept der familiengeführten, bäuerlichen Landwirtschaft überholt – gibt es in einigen Jahren in Rheinland-Pfalz überhaupt noch Milchviehbetriebe wie wir sie kennen? Auch ungewöhnliche Themen kamen zur Sprache:

  • Der Wunsch nach mehr Sachlichkeit in den Diskussionen zwischen Nutztierhaltern, den Verbrauchern und der Politik und eine Entscheidungsfindung für Lösungen auf wissenschaftlicher, nicht emotionaler Basis.
  • Den Berufsstand attraktiver gestalten: Es fehlen Mitarbeiter.
  • Lebensmittel regional und saisonal kaufen – und lernen wie man sie haltbar macht. Gerne auch in den Bildungseinrichtungen.
  • Sehen, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb mehr liefert als Lebensmittel. Nämlich z.B. ein Heim für Tiere, Vögel, Insekten und mehrere Generationen an Menschen. Es ist ein natürliches Biotop.
  • Gesellschaftliche Leistungen honorieren, wie z.B. den Erhalt der Kulturlandschaft. Aber eben auch die Stärkung des Immunsystems. Insbesondere im Bereich Allergien profitieren Menschen, die in unmittelbarer Nähe eines Stalles wohnen.

„Ich verstehe die Gedanken der Landwirte und hoffe, dass ich in Zukunft wieder auf Veranstaltungen dazu beitragen kann, die Wertschätzung zu erhöhen und den Verbrauchern zu vermitteln wie wichtig die Arbeit der Landwirtschaft ist!“, so Milchkönigin Vivian.

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